Gestern, zu unmöglicher Uhrzeit (6:45h), quälte ich mich aus dem Bett um mit Molly, Kelly, Vlado, Nathalie und Nadine einen Tagesausflug nach Belfast zu machen.
Der “Bus Eireann” verließ den Dubliner Flughafen pünktlich (ja, man glaubt es kaum!) um 8:20h und erreichte Belfast um 11:00h. Der wie immer für mich zu geringe Sitzabstand verhinderte leider, dass ich die 2,5h Fahrt mit Schlaf sinnvoll verbringen konnte, deshalb blieb mir nichts anderes übrig als meinen Blick aus dem mit 80km/h dahin rasenden Bus zu richten. Die Irische Landschaft wurde wieder einmal dem Klischee gerecht und vermochte nicht mehr aufzubieten als verschiedene Grüntöne und vereinzelte Schafe.
Belfast an sich vermochte mich in keiner Weise zu begeistern. Das graue, leicht regnerische Wetter mag sicher seinen Beitrag zu diesem Urteil beigetragen haben, aber Belfast ist einfach eine Stadt wie viele andere. Die berühmte City Hall (Rathaus) ist zwar beeindruckend, aber bis 2009 wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Das daneben stehende Riesenrad lockt heute auch keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor, die Einkaufsstraße ist x-beliebig und als Gesamtbild versagt Belfast einfach.
Sicherlich gibt es auch sehenswertes in Belfast, so zB St. Ann’s Cathedral oder der St. George’s Market, aber vor allem der geschichtliche Aspekt hat seine Reize: Der Nordirlandkonflikt hat schon deutliche Spuren hinterlassen, die sich vielerorts sehen lassen. Einerseits gibt bzw. gab es eine mit der Berliner Mauer vergleichbare Trennmauer zwischen Unionisten und Nationalisten, die ich allerdings leider nicht zu Gesicht bekam, andererseits sind die Wandmalereien in einschlägigen Vierteln wie “Sandy Row” beeindruckend bis erschreckend. Dass es in einer Europäischen Stadt derart hasserfüllte und kriegsverherrlichende Botschaften zu “bewundern” gibt, ist schon beängstigend.
Insgesamt würde ich sagen, es ist kein Verbrechen, Belfast bei einem Irland-Besuch auszulassen.





